Ein Beruf zwischen Schreibtisch und Straßenbaum
Für Antje Butzmann, langjährige Mitarbeiterin im Kleinmachnower Grünflächenamt, ist ih
Beruf mehr als Verwaltung: Es ist die Verbindung von Planen am Schreibtisch und Arbeiten
draußen vor Ort. Gerade für Jugendliche, die sich für Nachhaltigkeit interessieren, könne
dieser Berufszweig eine attraktive Perspektive sein
„Ich bin nach wie vor glücklich, dass ich diesen Weg gegangen bin“ (Antje Butzmann)
Vom Facharbeiter zur Planerin für öffentlichen Raum

Butzmanns Weg ins Grünflächenamt begann mit einer Ausbildung als Facharbeiterin für Grünanlagen, also der Pflege öffentlicher Flächen in Kommunen und Städten. Später studierte sie Garten- und Landschaftsgestaltung in Erfurt und arbeitete unter anderem bei der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten sowie in Planungsbüros für Außenanlagen und Straßenbau. Die Kombination aus Tiefbau-Erfahrung und „Grünkompetenz“ war schließlich ihr Türöffner nach Kleinmachnow, wo sie seit fast 27 Jahren an der Gestaltung
des Ortsbildes mitwirkt.
Aufgaben: Straßen, Bäume und neue Wohngebiete
Zum Verantwortungsbereich des Grünflächenamtes gehört heute vor allem die Mitwirkung
an Bebauungs- und Straßenplanungen, etwa für neue Wohngebiete an der Autobahn.
Externe Büros erarbeiten die Pläne, doch das Amt bringt fachliche Stellungnahmen ein
etwa dazu, wo Bäume erhalten bleiben oder neu gepflanzt werden sollen. Ein Schwerpunkt
ist die Baumpflanzung im gesamten Ortsgebiet: Gefällte oder abgestorbene Straßenbäume
werden möglichst zeitnah ersetzt, um geschlossene Alleen und ein gutes Ortsklima zu
erhalten.
Ein aktuelles Beispiel ist das neue Wohngebiet mit der Christa-Wolf-Straße und dem
Emma-Maria-Lange-Weg, wo auf Drängen von Butzmann alte Eichen erhalten und
Straßenführungen angepasst wurden. Wo vor Ort zu wenig Platz für neue Bäume bleibt,
werden Ersatzpflanzungen an anderen geeigneten Standorten im Gemeindegebiet
umgesetzt.
Rechtliche Grundlagen und praktische Konflikte
Die Arbeit des Amtes bewegt sich immer im Spannungsfeld von Grünbedarf,
Verkehrsplanung und rechtlichen Vorgaben. Pflanzabstände zu Grundstücksgrenzen sind
im Brandenburgischen Nachbarrechtsgesetz geregelt Laub- und Nadelbäume benötigen
zum Beispiel vier Meter Abstand, Obstgehölze zwei Meter; bei Hecken gilt als Faustregel
ein Drittel der Wuchshöhe als Mindestabstand. Gleichzeitig müssen bei Straßenplanungen
die Wünsche nach Stellplätzen mit dem fachlichen Ziel größerer Baumscheiben und
ausreichendem Wurzelraum in Einklang gebracht werden.
Nachhaltigkeit als Leitlinie
Nachhaltigkeit spielt im Alltag des Grünflächenamtes eine zentrale Rolle. Kleinmachnow
verfolgt ein integriertes Klimaschutzkonzept mit dem Ziel, die Gemeinde bis 2035 so weit
wie möglich klimaneutral zu machen. Der Schutz und die Weiterentwicklung des Waldes
ist darin ein eigenes Maßnahmenfeld. Dazu gehört ein Waldkonzept, das unter anderem
die Pflege des Bannwaldes, den Rückbau unnötiger Wege und die Förderung
standortgerechter, lokal herangezogener Jungbäume vorsieht.
Besonders deutlich wird der Nachhaltigkeitsanspruch bei der Baumpflanzung: Neue
Straßenbäume sollen nicht „im Blumentopf“ stehen, sondern genügend Wurzelraum und
Wasser erhalten, damit sie sich über Jahrzehnte entwickeln können. Provisorien wie
Bewässerungssäcke helfen in trockenen Sommern, ersetzen aber nicht gute
Standortplanung.
Zusammenarbeit mit Bürgern, Schulen und Vereinen
Das Grünflächenamt setzt stark auf Beteiligung: Seit 2016 werden Baumpatenschaften
vergeben, bei denen Bürgerinnen, Bürger und auch Kinder „ihre“ Straßenbäume vor der
Haustür vor allem durch regelmäßiges Gießen unterstützen. Auf der Gemeindehomepage
können Interessierte sich informieren und Patenschaften übernehmen.
Zahlreiche Projekte binden Kitas, Schulen und Initiativen ein: Von Kita-Aktionen mit selbst
gezogenen Eichensetzlingen über Vogelhaus-Aushänge im Bannwald bis hin zu
Schüleraktionen zum „Tag des Baumes“, bei denen verdichtete Baumscheiben auf dem
Rathausmarkt gelockert und mit kleinen Zäunen geschützt wurden. Auch mit lokalen
Umweltvereinen wie dem Buschgraben-/Bäke-Verein arbeitet das Amt eng zusammen.
Klimawandel als größte Herausforderung
Als größte Herausforderung nennt Butzmann den Klimawandel selbst: Längere
Trockenperioden, sinkende Grundwasserstände und ausgetrocknete
Regenrückhaltebecken erschweren die Versorgung der Bäume. Die Gemeinde muss
teures Trinkwasser zur Bewässerung einsetzen, unterstützt von der Feuerwehr, was viel
Geld und Personal bindet. Gleichzeitig leiden die Bäume unter zu wenig Platz im
Wurzelraum und der Verdichtung des Bodens durch Verkehr und Fußgänger.
Blick in die Zukunft und ein Appell an die Jugend
Für die Zukunft setzt Kleinmachnow auf einen Gehölzschutzsatz, der Bäume schon ab
einem Stammumfang von 12,5 Zentimetern schützt also deutlich früher, als es in vielen
anderen Kommunen üblich ist. So soll der notwendige Generationswechsel vom alten
Baumbestand zu jungem, zukunftsfähigem Grün gesichert werden.
Butzmann wünscht sich, dass Schulen wieder stärker praxisnahe Umweltbildung
anbieten etwa durch Schulgärten und konkrete Projekte vor Ort. Jede und jeder könne im
Kleinen anfangen, vom eigenen Gartenbaum bis zur Entscheidung fürs Fahrrad.
Entscheidend sei, Interesse für die Umwelt zu wecken und zu fördern.
Für Jugendliche, die sich für Klima- und Umweltschutz begeistern, ist das
Grünflächenamt aus ihrer Sicht ein spannender Berufsweg: eine Mischung aus
planerischer Verantwortung, praktischer Arbeit im Freien und der Chance, das eigene
Lebensumfeld sichtbar mitzugestalten.