Homeschooling und die Angst

Am 14.12.2020 wurde die Präsenzpflicht ausgesetzt und seit dem 4.1.2021 sind alle, von den Abschlussjahrgängen abgesehen, gezwungenermaßen im Homeschooling. Das sind nun für manche also 82 Tage, die man Zuhause ist. (Quellenanmerkung: ich rechne von Samstag den 12.12 bis zum 3.3.21). Schüler:innen, die sich nichts sehnlicher wünschen, als in die Schule zu gehen, sind keine Seltenheit mehr. Die ganze Zeit muss man Verantwortung für sich übernehmen, sein:e eigene:r Lehrer:in werden und Arbeitsblatttürme abarbeiten, die jede Woche wieder neu wachsen. Diese Situation sorgt für viel Angst. Die bekannte Angst, die schon seit dem ersten Lockdown besteht, abgehängt zu werden, weil man den Stoff doch eher schlecht als recht erledigt hat. Eine Folge davon, dass man Zuhause ist und sich selbst überwachen muss. Die Aufgaben müssen möglichst schnell erledigt werden, da bleibt die Qualität häufig auf der Strecke. Dem ist man sich selbst doch gleichzeitig bewusst, was dazu führt, dass man sich schlecht fühlt. Doch am Ende sind die Ablenkungen, die sich jetzt direkt vor uns befinden, wichtiger. Wenn doch das nächste Video des Lieblingskanals nur einen Klick entfernt ist und niemand einen kontrolliert. 

Doch das ist nur ein kleines Problem. Früher hatten wir Angst, nicht mehr in die Schule zurückzudürfen. Jetzt haben wir die Angst, im Homeschooling bleiben zu müssen und Angst davor, wieder in die Schule zu gehen. Woher kommt diese zweite gegenseitige Angst? 

Der zweite Lockdown begann kurz vor dem zweiten Halbjahr. Das sich daraus ergebende Problem ist, dass wieder Noten benötigt werden. Notenvergabe im Homeschooling gestaltet sich jedoch etwas schwieriger. Mitarbeit in Videokonferenzen ist durchaus möglich, doch die technischen Möglichkeiten sind unter den Schüler:innen unterschiedlich. Wie fair ist es also, eine Mitarbeitsnote von einer Internetverbindung abhängig zu machen? Das Resultat sind sehr gnädige Noten, doch die reichen noch nicht. Es ist durchaus möglich, digital Vorträge, Tests oder Unterrichtsleistungen zu erbringen. Daran trauen sich viele Lehrer:innen aber eher selten. Und wenn es so ist, ist es für die Schüler:innen recht leicht zu schummeln. Klar können sie das in der Schule auch, doch daheim hat man einfach noch mehr Möglichkeiten. Ein weiterer Weg ist die Bewertung von Abgaben. Doch auch das geschieht eher selten. Also was ist die Konsequenz? Wenn wieder mehr Jahrgänge in die Schule kommen, wird eine Zeit beginnen, in der sehr viele Tests, Klassenarbeiten, Klausuren geschrieben werden, da man die Noten ja benötigt. Wir Schüler:innen haben vor genau dieser Situation Angst. Drei Blöcke, drei Tests. Den Tag zur Schule gehen, in der Nacht lernen. Unter den Umständen wäre es nicht verwunderlich, wenn man häufiger Schüler:innen mit Burnout-Syndrom sieht. Diese Vorahnung macht uns Angst und sorgt dafür, dass man sich immer zwischen beiden Möglichkeiten bewegt. Man könnte es fast einen Schwebezustand der Angst nennen. 

Darum liebe Lehrer:innen, nehmt bitte Rücksicht auf diese Situation. Wir verstehen, dass wir Noten erbringen müssen, doch wir sind keine Maschinen, die bis ans Äußerste gehen können und trotzdem weiterarbeiten. Egal, ob wir noch Kinder oder schon fast Erwachsene sind. Bewerten sie doch einfach mal eine Abgabe, die sie rechtzeitig ankündigen. Denn in dieser Situation sollten wir uns gegenseitig zuarbeiten und uns nicht aufgrund fehlender Kommunikation Steine in den Weg legen.

Und liebe Schüler:innen, sprecht eure Lehrer:innen an, um solche Situationen zu verhindern. Und seid ehrlich, nutzt die Situation nicht um euch Aufschub zu holen. Denn, wie bereits erwähnt: Kommunikation ist im Moment das A&O, denn keiner von uns war bereits in dieser Situation.

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