Interview mit Herrn Limbach

neuer stellvertretender Schulleiter

Fachlehrer in: Geschichte, Musik

Ehemalige Schule: Vicco-von-Bülow-Gymnasium

Sie sind ja nun erst vor kurzem an unsere Schule gekommen. Welchen Ruf haben Sie an Ihrer alten Schule genossen?

Also das müssen Andere beurteilen. Selbst von einem Ruf zu sprechen, das möchte ich mir gar nicht anmaßen. Ich hatte das Empfinden, dass das Lehrer-Schüler*innen-Verhältnis und auch das zu den Kolleg*innen und Eltern ein sehr angenehmes war. Die Projekte, die ich anstoßen wollte und konnte, wurden angenommen und das ist sicherlich eine Form von Wertschätzung. Der emotionale Abschied, an dem dieses Verhältnis auch nachvollziehbar wird, war für beide Seiten nicht einfach.

Mit welchem Tier können Sie sich identifizieren und warum? 

Ich habe einen Hund, dessen Eigenschaften ich sehr schätze und mitunter auch in mir sehe: Freundlichkeit, Loyalität und Gemeinschaftssinn.

Welche Hobbys haben Sie?

Ich verreise sehr gerne (v.a. nach Großbritannien). Mit und für Freunde kochen, Spieleabende oder andere Unternehmungen in Gesellschaft bereiten mir viel Freude. Persönlich musiziere ich, gehe ab und an ins Konzert oder Musiktheater. Wenn es die Zeit zulässt schaue ich auch gerne mal einen guten Film oder eine Serie.

Warum haben Sie sich für die Unterrichtsfächer entschieden, die Sie unterrichten? 

Ich finde beide Fächer für die Entwicklung von Menschen extrem wichtig. Auf der einen Seite haben wir die Musik, in der wir uns kreativ austoben können. Dort können wir uns auf einer Ebene ausdrücken, an der Worte irgendwann eine Grenze erreichen. Musik macht etwas mit uns und begleitet uns das ganze Leben. Ihre Vielfalt und den Umgang mit ihr zu fördern und zu begleiten macht Freude und ist auch eine schöne Herausforderung, weil jede Klasse unterschiedlich ist und verschiedene Voraussetzungen mit sich bringt. Sehr viele sind musikalisch, spielen Instrumente oder singen im Chor, aber auch diejenigen, die bislang wenig Erfahrung im außerschulischen Bereich hatten, sollen die Möglichkeit erhalten. Es ist ein wunderbares Gefühl, Schüler*innen beim „Wachsen“ zu begleiten und zu erfahren, wie Talent im Musikunterricht gefördert und auch die Liebe an der Musik entdecket wird.

Geschichte ist ein Fach, das ich für die  Entwicklung eines kritischen Geistes für essentiell halte. Ich finde es toll, wenn Schüler*innen lernen, ihren Platz in der Welt zu finden und verstehen, was die Welt zu der gemacht hat, in der sie leben. Beispielsweise die Herkunft der demokratischen Werte und Freiheiten – die wir haben, andere aber nicht – bis zur Verteidigung dieser, um letztlich mündige Heranwachsende zu werden. Ich freue mich sehr darüber, dass ich diesen Prozess mit dem Fach Geschichte begleiten kann und vielleicht auch den Horizont anhand kritischer Fragen und Erfahrungen erweitern kann.

Was wollten Sie als Kind werden? 

Das war ganz unterschiedlich. Als ich in die Grundschule gekommen bin, hat mich der Lehrerberuf schon fasziniert. Den Beruf fand ich interessant. Die Arbeit mit Kindern und die Interaktion hat mich begeistert. Irgendwann kam dann aber eine rebellische Phase, in der ich dachte, dass es das vielleicht doch nicht wäre. Dann fand ich die Juristerei interessant, insbesondere für Gerechtigkeit und gegen Unfairness zu kämpfen. Dann aber rückte die Liebe zur Musik und auch zur Geschichte in meinen Fokus. Das hat sich dann ab der 10. Klasse verfestigt. Da gerade für das Lehramt im Fach Musik eine Eignungsprüfung abgelegt werden muss, habe ich mich zielorientiert darauf vorbereitet und bin heute nach wie vor glücklich, diesen Weg gegangen zu sein.

Wie waren Sie in ihrer Schulzeit? 

Ich war aktiv in der Schüler*innenvertretung. Dort habe ich in vielen Bereichen auch Projekte angestoßen, habe auch gerne diskutiert und versucht, Dinge, die „schon immer so waren“ zu hinterfragen und zu optimieren. Schulisch habe ich meine entsprechenden Leistungen natürlich auch ganz gut gemeistert, sonst hätte ich auch meine Abschlüsse nicht bestanden und dürfte jetzt auch nicht Kinder und Jugendliche unterrichten.

Wenn Sie in der Zeit in ihrem Leben zurückreisen könnten, zu welchem Zeitpunkt würden Sie reisen und was würden Sie sich selber dann gerne sagen? 

Ihr habt wirklich tolle Fragen. Das Leben, so wie ich es gelebt und erlebt habe, hat mich zu dem gemacht, der ich jetzt bin. Und ich weiß nicht, ob ich zu irgendeinem Punkt zurückreisen möchte, um mir zusagen: „Mach irgendetwas anders!“. Wer weiß, ob ich dann hier sitzen würde? Deswegen denke ich, sind Zeitreisen generell interessant, als Geschichtslehrer sowieso, aber eher aus einer betrachtenden Perspektive.

Was war der schönste Moment, den Sie mit Schülern erlebt haben?

Da gab es ganz unterschiedliche Anlässe. Zum Beispiel mit meinem Leistungskurs Musik. In der für die Schüler*innen letzten Unterrichtsstunde saß ich am Klavier. Alle Schüler*innen standen darum, sangen „What a wonderful world“ und auf einmal fingen die Jungen an zu weinen und dann weinten auf einmal (fast) alle oder waren sehr ergriffen. Dieser Moment war für mich schon besonders. Aber nicht einfach der schönen Zeit wegen, sondern weil man in solchen Momenten gespiegelt bekommt, dass man auf ganz anderen Ebenen wirksam ist. Und dass das, was man macht, vielleicht doch an der einen oder anderen Stelle die Schüler*innen berührt und Menschen langfristig prägt.

Auf der anderen Seite sind verschiedene Projekte (Studienreise nach Krakau/Auschwitz, Musicalfahrten, Zeitzeugengespräche etc.) und Diskussionen etwas ganz Besonderes. Auch die kleinen Dinge im Unterricht, wenn aus so einer kleinen These eine großartige Diskussion wird und man merkt, dass die Schüler*innen gute Argumente anführen. Sie stürzen sich in die Diskussion, beziehen sich aufeinander, sind aber trotzdem wertschätzend zueinander. Das sind kleine Momente, die aber trotzdem total schön sind und die dann einfach zeigen, wie toll es ist, das begleiten zu und vielleicht auch an der einen oder anderen Stelle den richtigen Impuls setzen zu können.

Wenn eine ganze Schulklasse unangemeldet bei Ihnen vor der Haustür stehen würde, wie würden Sie reagieren? 

Sicherlich wäre ich zunächst irritiert und würde freundlichst fragen, welcher Anlass mir solch großes Glück beschert, die Schüler*innen auch in ihrer wohlverdienten Freizeit sehen zu dürfen. Dann würde ich nachschauen, ob ich ausreichend Getränke anzubieten habe und würde auf ein alkoholfreies Getränk einladen.

Für welches Fach interessieren Sie sich, obwohl Sie es nicht unterrichten? 

Astronomie und Chemie finde ich sehr interessant.

Wenn Sie etwas am oder im Schulsystem ändern könnten, was wäre das?

Mehr Autonomie für Schulen, mehr Lehrer*innenstunden für weniger Schüler*innen, um dadurch mehr Kurse für Schüler*innen zu ermöglichen und hierüber ganz anders fördern zu können. Wenn wir mehr Stunden hätten, dann könnte man vieles anders machen. Und ich hätte liebend gern noch mehr Räume zur Planung und Gestaltung unseres Schullebens zur Verfügung.

Wie schwer ist es in einer Klasse für Ruhe zu sorgen?

Das kommt auf die Situation an und ich glaube auch auf die innere Einstellung und Haltung. Wenn ich zusammen mit der Klasse einen schlechten Tag habe, dann ist das vielleicht insgesamt schwieriger. Aber wenn man manchmal einen Schritt zurückgeht, wird aus einer Störung vielleicht gar nicht etwas so Großes … Aber zurück zur Frage: Was heißt schwer? Das Problem gibt es am Weinberg nicht, das wäre die treffendere Antwort.

Haben Sie ein Lebensmotto, wenn ja welches?

Ein Konkretes habe ich nicht, das sind schon verschiedene. Also Fehler machen, auf jeden Fall, um daraus zu lernen. Das ist wichtig und sollte erlaubt sein. Jeden Tag zu genießen, als wäre es der Letzte. Das klingt so ein bisschen platt, aber da ist schon etwas Wahres dran. Es gelingt mir leider nicht immer. Aber zumindest immer etwas Schönes am Tag zu finden und sich nicht so auf die Dinge zu fokussieren, die vielleicht nicht geklappt haben. Ich verwende beispielsweise gerne das Wort Potential statt Schwächen, weil ich denke, dass jede*r viele Stärken hat und wir aus dem Potential etwas Positives gewinnen können. Das ist eine positivere Sichtweise, als zu sagen: „Ich kann das nicht.“ Wenn sich die negative Variante verhärtet, dann glaube ich irgendwann vielleicht wirklich, dass ich etwas nicht schaffen kann.

Was sollte sich ein Schüler bei Ihnen im Unterricht auf gar keinen Fall leisten? 

Sich nicht zu trauen, kritisch zu hinterfragen.

Was möchten Sie uns Schülern noch mit auf den Weg geben?

Die Schulzeit ist nicht zwingend die einfachste Zeit, die man durchlebt. Da habt ihr viel mit euch zu tun und eine Menge Herausforderungen zu meistern. Vergesst hierbei nie, dass ihr eine große Problemlösekompetenz erwerbt, die für euer weiteres Leben sehr wichtig sein wird.

Nutzt die Chancen, die euch die Schule bietet. Probiert Dinge und Projekte aus, die ihr sonst nicht machen würdet. Schule ist ein großes Spielfeld, um genau das erleben zu können, was man vielleicht später nie machen würde. Nutzt die Möglichkeiten, Schule mitzugestalten und euch so einzubringen, dass es bei all der Zeit, die ihr hier verbringt, auch ein Lebensraum ist, an dem ihr gern seid. Auch wenn es viele vielleicht noch nicht so ganz glauben wollen, wird die Schulzeit einmal zu jener gehören, die euch mit all ihren Momenten an eine schöne Lebensphase erinnern wird.

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