Corona & Bildung

Kristy Augustin

CDU Fraktion im Landtag Brandenburg
Sprecherin für Familie, Frauen, Jugend und Menschen mit Behinderung
Vorsitzende Ausschuss für Bildung, Jugend und Sport

Petra Budke

Fraktionsvorsitzende der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Landtag Brandenburg Sprecherin für Bildung, Kinder, Sport, Medien und Religion

Dennis Hohloch

AFD-Fraktion im Landtag Brandenburg Parlamentarischer Geschäftsführer Mitglied im Ausschuss für Bildung, Jugend und Sport

Was halten Sie von Masken und/ oder CO2 – Meldern im Unterricht?

Bei allen politischen Entscheidungen stand und steht für uns immer der Schutz der Menschen an erster Stelle. So einschneidend die Auflagen dann im persönlichen Leben auch manchmal sind, ist es alles wert, wenn wir dadurch Gefahren abwehren können. Im Unterricht sind für mich die Masken dann ein Mittel, wenn es nicht mehr anders geht. Die Regelungen aktuell, finde ich ausreichend. Der CO2 Melder steht stark in der Kritik, aber auch hier kann vorbeugend schlimmeres verhindert werden. Mit dem bislang noch möglichen Lüften ist es auch ohne CO2 Melder ausreichend. Wird es kälter, kann ein CO2 Melder sinnvolle Unterstützung sein. Das Saarland macht aktuell gute Erfahrungen damit.

Wir müssen alles tun, damit Unterricht weiterhin stattfinden kann und Schulen nicht wieder geschlossen werden. Deshalb gilt überall da, wo sich Gruppen mischen, die Maskenpflicht, in Schulen also z.B. auf den Gängen. Im Unterricht selbst haben wir seit November angesichts der rapide gestiegenen Infektionszahlen für die Oberstufe eine Maskenpflicht eingeführt. Ich weiß, dass dies ein harter Einschnitt ist, ich bin selbst Lehrerin. Für die jüngeren Schülerinnen und Schüler, wenn sie auf festen Plätzen sitzen und ausreichend gelüftet wird, sind Masken nicht unbedingt notwendig. Wenn es einen Corona-Fall in einer Schule gibt, können gezielt Maßnahmen getroffen werden. CO2-Melder sind ein interessanter Ansatz, weil die Konzentration von CO2 und die Aerosol-Konzentration zusammenhängen. Derzeit werden sie an einigen Schulen ausprobiert. Die Erfahrungen müssen wir sorgfältig beobachten und auswerten. Doch allen muss klar sein: All die technischen Maßnahmen helfen nur bedingt. Das Wichtigste ist, sich auch außerhalb der Schule vernünftig zu verhalten und vor allem überall die Hygieneregeln einzuhalten.

Wir lehnen das Tragen von Masken im Unterricht aus infektionspräventiven Überlegungen heraus ausdrücklich ab, weil die Wirksamkeit – insbesondere im Falle der weitverbreiteten Behelfsmasken aus Baumwolle oder Seide bzw. für medizinische Masken – wissenschaftlich nicht bestätigt ist. Diese Auffassung wird nicht nur durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte geteilt; auch die Landesregierung scheint von der Schutzwirkung nicht überzeugt, wenn sie in der derzeit gültigen Umgangsverordnung, die das Maskentragen im Schulhaus außerhalb des Unterrichts vorsieht, ausdrücklich darauf hinweist, dass die genutzten Mund-Nase-Bedeckungen „unabhängig von einer Kennzeichnung oder zertifizierten Schutzkategorie“ getragen werden könnten. Abgesehen davon würde eine mögliche Ausweitung der Maskenpflicht auf den Unterricht massive Auswirkungen auf den Lehr-Lern-Prozess mit sich bringen, weil es die Kommunikation einschränkt. Das ist insbesondere im Bereich des Fremdsprachenunterrichts ungünstig und beim Unterrichten kleiner Schüler. Wir sagen: Wer immer eine Maske aufsetzen möchte, weil er sich dadurch sicherer fühlt, soll das ohne Probleme tun können. Eine allgemeine Maskenpflicht, noch dazu während des Unterrichts, lehnen wir aber ab.

Waren die Schule angemessen für das Distanzlernen ausgestattet?

Nein. Es gab viele Herausforderungen. Die Pandemie hat uns durchaus Schwächen vor Augen geführt aber auch neue Anstöße und Ideen gegeben. Ob die Ausstattung der Schulen oder der große Bereich Digitalisierung und Medienkompetenz – es gibt vieles, was angegangen werden muss. Auch vor dem Hintergrund, dass ein Ende der Pandemie nicht abzusehen ist und damit auch neue Einschränkungen im Schulbetrieb drohen könnten, muss schnell gehandelt werden.  Die Schulgebäude können nicht so schnell umgebaut werden aber was die Vermittlung von Lerninhalten, digitales Lernen und Schulung von Schülerinnen und Schülern als auch der Lehrerinnen und Lehrer sind aktuell Punkte, die wir auf Landesebene besprechen und vorantreiben.

Allen ist klar, dass das nicht so ist. Deshalb haben wir noch vor den Sommerferien das Aktionsprogramm digitale Bildung im Landtag beschlossen. Es soll dazu beitragen, dass der Online-Unterricht glatter abläuft. Es stehen jetzt  auch zusätzliche Mittel zur Verfügung, damit zum Beispiel Studierende in Schulen die Lehrkräfte beim Hybridunterricht unterstützen können. Das soll auch 2021 fortgesetzt werden. Natürlich wird das nicht alle Probleme beheben, aber es ist auch unmöglich, die gesamten Versäumnisse der letzten Jahre innerhalb eines halben Jahres auszuräumen. Das sieht man auch beim Digitalpakt. Der kommt nun endlich in Schwung und die Schulträger stellen die Anträge.  Aber bis die Gelder fließen und die Technik steht, sind viele Schritte notwendig. Der Schulträger muss ein Technik-, Medien- und Fortbildungskonzept  einreichen,  der Breitbandausbau in Gang kommen. Das Tempo nimmt deutlich zu, auch wenn es natürlich schön wäre, wenn wir schon weiter wären.

Nein. Wir wissen, dass viele Kinder und Jugendliche, vor allem aus sozial schwachen Elternhäusern, in diesem Bereich dringend Unterstützung gebraucht hätten. Auch das war Teil unseres Maßnahmenpakets vom 7. April. Unser Vorschlag bestand darin, unverzüglich über die Schulen in Erfahrung bringen zu lassen, welche Schüler nur eingeschränkt oder gar nicht am Fernunterricht teilnehmen konnten, weil sie nur eingeschränkt oder gar keinen Zugang zu einem entsprechenden Gerät hatten. Anschließend sollten schuleigene Laptops und andere Geräte unkompliziert, unbürokratisch und rasch als Leihgabe zur Verfügung gestellt werden. Auch das Land hätte wesentlich rascher reagieren müssen. Die nunmehr beantragten Geräte sollen ja erst noch verteilt werden – ganze sieben Monate nach Beginn des ersten Lockdown.

Sehen Sie die Schulcloud vom HPI als zukunftsweisend an?

Ja. Das Projekt ist gerade durch die Corona-Pandemie auch vorangetrieben worden. Es sind mehr Schulen beteiligt, als bislang geplant und es wird weiter ausgebaut. Dass das Projekt aber noch in den „Kinderschuhen“ steckt, ist auch klar.

Die HPI-Cloud dominiert an Brandenburger Schulen,  aber es gibt auch sehr gute andere Angebote. Niemand wird gezwungen, eine bestimmte  Cloudlösung zu verwenden.  Itslearning ist zum Beispiel eine Lösung einer Berliner Firma, die vor allem im Norden Deutschlands häufig zum Einsatz kommt und auch Schulen bei uns in Brandenburg nutzen. Der ganze Cloud-Sektor ist derzeit stark in Bewegung. Ich bin auch hier für Vielfalt und Wahlfreiheit.

keine schriftliche Beantwortung 

Wenn Sie eine Schulnote für den Umgang mit der Pandemie im schulischen Betrieb und in der Schulpolitik im Land Brandenburg geben müssten, welche wäre das und warum? (Einzelbenotungen sind möglich)

Dem Bildungsministerium würde ich eine 2 geben. Wir alle standen vor ungekannten Herausforderungen und im Nachgang sind alle klüger als zuvor, aber es wurde im mit dem Blick auf die Gesundheit einerseits und Einschränkung von Rechten andererseits versucht abzuwägen, was notwendig ist.

Den Schülerinnen und Schülern gebe ich die Note 1. Denn sie mussten in diesen Zeiten besonderes meistern. Auch wenn es unterschiedlich geglückt ist, war die Herausforderung eine ganz besondere.

Den Schulbetrieb insgesamt könnte ich nicht einheitlich bewerten. Die Rückmeldungen waren doch sehr unterschiedlich. In manchen Orten gab es Entwicklungen, bei denen Lehrer und Schüler über sich hinauswuchsen, in manchen gab es auch regelrechten Stillstand. Da ist von 1 bis 5 alles dabei. All das muss ausgewertet werden. Aus allen Dingen können wir lernen.

Manche Schulen waren sehr gut vorbereitet, manche weniger und manche gar nicht. Deshalb landet man immer bei einer Drei. Sicher ist: Die Landesregierung hat sich sehr ins Zeug gelegt, um die digitalen Ressourcen nutzbar zu machen. Wir müssen das flächendeckend ermöglichen. Daran arbeiten wir – wie immer, gerade im digitalen Bereich: Mit Hochdruck.

Ich würde sagen: Die Bildungsministerin und ihr Team sind stark versetzungsgefährdet. Eine gute Politik setzt vier wesentliche Dinge voraus: eine vorausschauende und transparente Planung; die Einbeziehung der Opposition und aller Betroffenen – also Schüler, Lehrer und Eltern; die Bereitschaft, zuzuhören und letztlich: die Fähigkeit zur Verantwortungsübernahme. Von all diesen Dingen habe ich in den letzten Monaten kaum bis gar nichts erkennen können. Niemand hat die Wahrheit gepachtet und niemand sollte für sich in Anspruch nehmen, den Stein der Weisen gefunden zu haben. Eine fundierte Auseinandersetzung, der Austausch von Argumenten – hart in der Sache, aber ohne persönliche Untergriffe – ist das Wesensmerkmal unseres parlamentarischen Systems. Mit Leben gefüllt wurde es in den vergangenen Monaten nicht. Und bei allem gilt: Wir arbeiten zum Wohle der Schüler, Lehrer und der Eltern. Das sollten wir bei allen Unterschieden immer im Auge behalten.

Aufgrund der aktuellen Bedingungen wurden die Interviews alle schriftlich von den Abgeordneten beantwortet. 

Hinweis der Redaktion

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